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Der Daisen-in

Subtempel des Daitoku-ji mit weltberühmtem Zen-Garten

Fachartikel über den buddhistischen Tempel und seine Gartenanlage von Sôtai M. Knipphals 2498 nach Buddha

Daisen-in, Kieskegel im Ozean der Leere Abb 01: Daisen-in, Kieskegel im Ozean der Leere Daisen-in, Ostgarten mit dem Tarabune/ Schiff des inneren Schatzes Abb 02: Ostgarten mit dem Takarabune ("Schiff des inneren Schatzes") Der Daisen-in liegt innerhalb des Gebietes des Daitoku-ji, einem der wichtigsten Tempelkomplex von Kyoto (siehe auch Muso Soseki, Gründer des Daitoku-ji und des Tenryu-ji). Er wurde von Zen-Meister Kogaku Sôko (1464-1548) um 1509 im Shoin Stil (im Unterschied zum Shinden) erbaut. Der heutige Abt ist Zen-Meister Sôen Ozeki Roshi der Rinzai Zen Linie. Die Wandmalereien und der Zen-Garten, ein karesansui (Trockengarten) werden dem Teemeister Soami zugeschrieben bzw. einige Werke dem Maler und Teemeister Kano Motonobu. (Ein weiteres gutes Beispiel für den Shoin Stil ist der Togudo im Ginkaku-ji mit dem ersten Teeraum der Menschheitsgeschichte. ) Der Daitoku-ji steht seit jeher in enger Verbindung zu den Teemeistern der Urasenke und Omotesenke (Teeweg-Schulen, weitere Informationen), besonders zum berühmtesten Teemeister Japans: Sen Rikyu (1522-91).

Der Nordgarten des Daisen-in beinhaltet links eine 3er-Gruppe Felsen (Shakyamuni Buddha, Monju und Fugen) sowie einen Kamelienbaum. Rechts des Ganges liegen der Berg Horai, ein Felsensemble in Form einer Schildkröte und ein Buddha-Fussabdruck-Felsen. Dieser Teil des Gartens geht nahtlos in den Ostgarten über, der symbolisch die Entwicklung von uns Menschen über die Stromschnellen des Lebens hin zum Meer des Seins, dem "Ozean der Leerheit" (Ocean of emptyness) widergibt. In ihm findet man u.a. einen tsuru seki ("Kranichfels"), einen kame seki ("Schildkrötenfels"), ein takarabune ("Schiff des inneren Schatzes"), eine ungewöhnlich geformte Kiefer und einen riesigen Fels, der einen schlafenden Ochsen (siehe "Die zehn Ochsenstufen") darstellt. Vom Berg Horai, dem "Weltenberg", kommend fließt das durch Kies angedeutete Wasser Richtung "Ozean der Leerheit" direkt vor den Hojo, die Haupthalle.

Im Unterschied zum Ryoan-ji (1494) mit 15 Felsen innerhalb der Kiesfläche wurde hier auf jegliche Felsen verzichtet. Nur ein Ableger des historischen Bodhibaum aus Indien, unter dem Prinz Siddhartha, Buddha Gautama, Erleuchtung erlangte, ist hinten rechts gepflanzt. Ansonsten bieten nur zwei Kieskegel dem Auge Halt. Eine zarte Parallele zeigt sich zum karesansui des Ginkaku-ji mit seinem mannshohen Kieskegel oder dem später entstandenen Zengarten des Kodai-ji mit ebenfalls zwei Kieskegeln statt Felsen.

[ Von den 21 Subtempeln des Daitoku-ji sind öffentlich zugänglich: Ryogen-in, Zuiho-an, Korin-in, Daisen-in, Koto-in; nicht öffentlich zugänglich sind: Shinju-an, Yottoku-in, Tokuzen-in, Nyoi-an, Ryosen-in, Shoju-in, Juko-in, Soken-in Sangen-in, Obai-in, Daiko-in, Koho-an, Gyokurin-in, Daiji-in, Ryoko-in, Hoshun-in. Lageplan der buddhistischen Tempel in Kyoto

Bildnachweis

// Abb. 01: Kieskegel im Ozean der Leere - M.Knipphals // Abb. 02: Ostgarten mit dem Takarabune ("Schiff des inneren Schatzes") - M.Knipphals

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